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Inhaltsstoffe von Hydrolaten

Was ist eigentlich drin im Hydrolat? So offenkundig sich diese Frage im Zusammenhang mit der Destillation von Pflanzen aufdrängt, so wenig klar sind die Antworten darauf. Streng wissenschaftlich genommen, lassen sich die Inhaltsstoffe an ihrer Wasserdampfflüchtigkeit festmachen: Moleküle mit einem Gewicht von bis zu max. 250g/mol werden vom Wasserdampf mitgerissen, alle anderen sind zu schwer. Das Molekulargewicht – die Molare Masse – entscheidet also darüber, ob die Substanz im Hydrolat drin ist oder nicht.

Zu den nachgewiesenen Inhaltsstoffen zählen diverse Terpene, Alkohole, Ester, Ketone, Aldehyde, Oxide, Phenole und Säuren. Wer sich für stoffliche Details interessiert, dem rate ich, in Heike Käsers Rührküche vorbeizuschauen, dort findet sich eine Liste von Inhaltsstoffen, sortiert nach Stoffgruppe, Molgewicht und Löslichkeit.

Bitterstoffe, Schleimstoffe und Gerbstoffe wandern nicht ins Hydrolat, sie sind zu schwer für die Destillation. Was jetzt – wie mir Chemiker versichert haben – so auch nicht ganz korrekt ist, weil in Spuren sind eigentlich nahezu alle Stoffe vorhanden. Eine stofflich absolut reine Destillation ist ja geradezu eine technische Herausforderung, die man in seiner eigenen Haushaltsdestille eh nicht zusammenbringt. Persönlich habe ich durchaus schon die Erfahrung gemacht, dass Hydrolate sehr wohl noch ähnlich wirken können wie die Stoffe, die ja gar nicht – oder eben nur in Spuren – drin sein dürften.

Um die Verwirrung bezüglich Inhaltsstoffen komplett zu machen, hier noch eine Info: Faktum ist, dass der Destillationsvorgang einen hochenergetischen Prozess darstellt, der auch neue Stoffe hervorbringen kann. Ein Beispiel dafür ist die Deutsche Kamille (Matricaria recutita): Das durch die Wasserdampfdestillation gewonnene ätherische Öl enthält das therapeutisch interessante Chamazulen, welches durch seine bestechend blaue Farbe ins Auge sticht. In der Pflanze findet sich jedoch kein blauer Farbstoff, dieser wird erst durch den Destillationsprozess aus dem farblosen Matrizin gebildet.

Ein anderes Beispiel, das ich der dünn gesäten Fachliteratur entnommen habe, betrifft die Rose: Nach der Destillation finden wir unter anderem den Stoff Rosenoxid vor, der in der Pflanze nicht enthalten ist, sondern erst durch oxidative Wasserabspaltung aus dem Alkohol Citronellol hervorgegangen ist. Sowohl die Information über die Kamille wie auch jene zur Rose habe ich in Dietrich Wabners Buch “Aromatherapie – Grundlagen, Wirkprinzipien, Praxis” (Verlag: Urban & Fischer) gefunden.

Ach ja: Welche Mengen von den jeweiligen Inhaltsstoffen im Hydrolat auftauchen, ist natürlich auch stark variierend! Bodenbeschaffenheit, Standort, Sonneneinstrahlung, Wind- und Wetterverhältnisse – die Bedingungen, denen die Pflanze während ihres Wachstums (und bei der Ernte) ausgesetzt war, beeinflussen massiv die Qualität und Quantität der verschiedenen Inhaltsstoffe.

Quellen:
„Ätherische Öle selbst herstellen“, Bettina Malle / Helge Schmickl, Verlag Die Werkstatt, ISBN 978-3-89533-552-5
„Aromatherapie“, Dietrich Wabner, Christiane Beier (Hrsgb.), Verlag Urban & Fischer, ISBN 978-3-437-56990-6
„Aromatherapie für Pflege- und Heilberufe“, Eliane Zimmermann, Verlag Sonntag, ISBN 978-3-8304-9193-4