phytomontana
6. Juni 2011
Rosen-Hydrolat – (m)ein Aromatraum!

Rosen zu destillieren erschien mir bisher als äußerst knifflige und aufwändige Sache. Glaubt man der – ohnehin nur spärlich vorhandenen – Fachliteratur zu diesem Thema, dann braucht es für ein schönes Rosenblüten-Hydrolat eine ordentliche Menge an gerade noch nicht völlig geöffneten Knospen, die noch dazu bei Sonnenaufgang (!) und trockenem Wetter geerntet werden müssen, um sodann frisch destilliert zu werden. Was war ich erleichtert, als ich gemerkt hab, dass es anders auch geht…

In so einer Situation kommt man nicht mit der Abrissbirne. So was tut man einfach nicht. Diese Blüte hab ich selbstverständlich nicht angerührt!

In so einer Situation kommt man nicht mit der Abrissbirne. So was tut man einfach nicht. Diese Blüte hab ich selbstverständlich nicht angerührt!

In den vergangenen Jahren waren alle meine Rosen-Hydrolat-Träume an den Rahmenbedingungen gescheitert. Beispiel “Erntezeitpunkt Sonnenaufgang”. Tschuldigung, aber Sonnenaufgang heißt um diese Jahreszeit irgendwas um 5.00 Uhr früh. Ich bin zwar Frühaufsteherin, hab’s aber trotzdem nicht geschafft, um diese Zeit im Garten herumzutappen…

Und dann erst die Sache mit dem richtigen Reifestadium! Oft sind die Knospen noch zu klein und völlig zu und weigern sich aufgrund trockener Wetterlage beharrlich zu wachsen und aufzublühen. Kommt dann ein Regenwetter geht’s plötzlich ruckzuck! Theoretisch wäre nach dem Regenguss nun der optimale Zeitpunkt gekommen. Außer man lebt in Salzburg. Weil dann hat man es eventuell nicht bloß mit einem Regenguss zu tun sondern mit dem, was Tourismusbroschüren so verniedlichend “Salzburger Schnürlregen” nennen. Das ist dann so ein Wetter, wo man den Gästen irgendwie erklären muss, dass sie sich – wenn’s blöd kommt – zwei, drei Wochen lang mit was beschäftigen müssen, das man indoor machen kann. Für gerade munter aufgesprungene Rosen heißt eine solche Wetterlage, dass ihr Aroma hoffnungslos abgesoffen ist, bis man an eine Ernte auch nur denken kann…

Aber Schwamm über die Misserfolge vergangener Jahre, heuer hat’s geklappt! Nachdem mir “Anemone aus dem Norden” (danke Doris!) berichtet hat, dass sie ihre Rosen am Vormittag erntet, habe ich mich entschlossen vor dem Weg in die Arbeit zuzugreifen, also etwa um 8.00 Uhr morgens. Wer sich die Zeit einigermaßen einteilen kann, der sollte bezüglich des optimalen Zeitpunktes einfach der Nase nachgehen. Wer am Morgen an Rosen schnuppert und am späten Nachmittag, dem wird schnell klar, wie sich das Aroma im Tagesverlauf entwickelt…

Natürlich waren nicht alle Rosen auf meinen beiden Damascena-Büschen am gleichen Tag erntereif, doch hier hilft der “Tiefkühltrick”: Die geernteten Knospen so lange einfrieren, bis man genug zum Befüllen der Destille beisammen hat und dann – noch gefroren – destillieren.

Ich war selbst überrascht, wie gut sich das Aroma der Rosenblüten in einer kleinen Haushalts-Destille einfangen lässt. Aus nicht einmal 500 g Rosenblüten gewann ich knapp 2 Liter Rosen-Hydrolat! Die “vordere” und intensivere Fraktion werde ich für die Aromaküche verwenden, die “hintere” und schwächere wandert in meine Hautpflege.

Wer betörend duftende Rosen im Garten hat, dem kann ich jedenfalls versichern: Der Aufwand des Sammelns und Destillierens wird mit einem wahren Dufterlebnis belohnt!

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6 kommentare | kommentar schreiben
Anemone | 21.6.11

Liebste Elisabeth, ich freu mich so, dass Dir das Damaszener-Rosenhydrolat so gelungen ist! Ich habe noch welches von letztem Jahr und dieses Jahr bis jetzt nur Rosengelee und Rosenkonfitüre gemacht. Ich glaub, an die bulgarische himmlische Rosenkonfitüre komme ich einfach nicht ran, obwohl meine auch nicht schlecht ist. – Deine vielen Hydrolate werde ich mir wohl so nach und nach anschauen…
Kennst Du meinen neuen Blog: http://anemone52.wordpress.com/
Herzliche Grüße von Doris

selisa | 22.6.11

Hallo Doris,
du kannst dir nicht vorstellen, wie beruhigt ICH erst war, als ich an dem schönen Wässerchen gerochen hab. Es hat mir das Herz ja schon ein wenig geblutet, als ich vor meinen prächtigen Damaszener-Büschen stand und Röschen für Röschen abgezupft hab… Wenn dann aus der Destille nix ordentliches rausgeronnen wäre, also ich glaub, zu einer Fortsetzung des Experiments wär’ ich nicht imstande gewesen.
Werde deinen neuen Blog gleich unter meinen Links aktualisieren.

Ach ja: Dein Rosengelée steht auf meiner Das-muss-ich-probieren-Liste ganz oben! Bloß haben wir leider wieder einmal einen eher feuchten Juni. Also meine Rosen (die, die meine Hydrolierwut überlebt haben) sehen derzeit ziemlich jammervoll aus und riechen leider auch nicht mehr wirklich intensiv. Aber vielleicht kommen noch ein paar raus, es ist ja erst Ende Juni.

lg
Elisabeth

Susanne | 29.9.11

Danke für den tollen Tipp. Auf die Idee wäre ich nie gekommen.

Liebe Grüßli
Susanne :-)

selisa | 29.9.11

Auf die Idee bin ich selbst auch nicht gekommen, wie ich ehrlicherweise zugeben muss. Den Tipp erfuhr ich bei dem Pflanzendestillier-Kurs, den ich zu Beginn meiner Hydroliererei bei Fa. Schmickl in Klagenfurt absolviert hab (http://www.aetherischesoel.at/).
lg
Elisabeth

Marlene | 7.7.16

Liebe Elisabeth!

Destillierst du die Blüten im Aromakorb oder direkt im Wasser? Ganz liebe Grüße,
Marlene

selisa | 9.7.16

Hallo Marlene,
ich destilliere die Blüten im Aromakorb. Eine TEH-Kollegin hat mal beide Destillationen im Vergleich durchgeführt – also die Hälfte der Blüten im Aromakorb, die andere Hälfte direkt im Wasser – und war vom Aroma des direkt aus dem Wasser destillierten Rosenhydrolats nicht sooooo begeistert. Meine bescheidene Rosenausbeute aus dem eigenen Garten war mir deshalb bisher zu schade, um das Experiment selber durchzuführen. Wiewohl es einige Kräuterexpertinnen gibt, die ihre Blüten direkt aus dem Wasser destillieren und damit hervorragende Ergebnisse erzielen! Angeblich lösen sich ja bestimmte Wachse der Rose besser, wenn die Blüten im Wasser liegen. Wenn du genügend Rosenblüten hast, kannst du ja beide Varianten versuchen. Würde mich interessieren, was bei dir rauskommt!
lg Elisabeth

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