So richtig auf der faulen Haut wollte ich die Feiertage verbringen, nur mit Kochen, Essen und Lesen beschäftigt. Die Frage, wer in meinem Krimi hinter allem Üblen steckt, sollte das einzige Rätsel sein, dass mich auf Trab hält. Leider schlug das elfte Gebot zu: Du sollst dich nicht täuschen.
Statt fauler Haut war nämlich gereizte Haut angesagt und das schon seit einigen Wochen. Aus diesem Grund verbrauchte ich praktisch die gesamten Feiertage mit dem Studium hautphysiologischer Zusammenhänge, um dem „reizenden“ Übeltäter auf die Schliche zu kommen. Dass die echt grässlichen roten Flecken und Pünktchen in meinem Gesicht nun endlich Geschichte sind, verdanke ich aber nicht primär irgendwelchen schlauen Büchern sondern den hilfreichen Geistern in der „Rührküche“. Dieses Internetforum ermöglicht einen Austausch, der einfach sensationell ist, und damit Zugang zu Erfahrungen, die sich nicht mal so nebenbei „anlesen“ lassen.
Denn obwohl ich in den vergangenen Jahren so einiges an Literatur zum Thema Naturkosmetik durchgeackert hab, bin ich dennoch nichts weiter als eine interessierte Laie, die bei bestimmten Problemen ansteht. Bloß weil beispielsweise die Fachliteratur gewisse Wirkstoffe in einem gewissen Mengenverhältnis empfiehlt, heißt das noch lange nicht, dass dies der eigenen Haut gut tut. Und was hat man davon, wenn etwa der Konservierer X bei 95 Prozent der AnwenderInnen keine Reizungen verursacht, man aber selbst zu den fünf Prozent gehört?
Letztlich ist man beim Selberrühren darauf angewiesen, durch trial und hoffentlich nicht all zu viel error seine Erfahrungen zu sammeln. Und genau hier setzt www.ruehrkueche.de an: Die vielen SelbstrührerInnen, die sich dort einfinden, verfügen nicht nur über viel Know-how und Erfahrungen, sondern auch die Bereitschaft, andere an ihrem Wissen teilhaben zu lassen. (Außerdem sind die Leute dort sehr höflich. Man darf auch weniger intelligente Fragen stellen, ohne dass man gleich unten durch ist.)
In meinem Fall habe ich mit Hilfe der dort postenden Selbstrührer-ExpertInnen (denen ich aufrichtig danke) zwei Dinge gelernt (ich hoffe, meine amateurhafte Zusammenfassung enthält keine groben Fehler): Wer Urea einsetzt und keinen effektiven Natriumlaktat-Milchsäure-Puffer setzt, riskiert (kann sein, muss natürlich nicht), dass der Harnstoff die Haut dennoch basisch belastet. Wessen Haut allerdings sensibel auf Fruchtsäuren reagiert, kann mit genau dem Puffer Probleme kriegen. In saurer Lösung verschiebt sich das Verhältnis der beiden zueinander, da schnappt sich das Na-Laktat ein H+ und wird zur Milchsäure. Also ehrlich: Wie soll man auf so was ohne Expertinnen draufkommen? (Der Vollständigkeit halber sei noch eine weitere erwähnte Reizmöglichkeit erwähnt, nämlich der hohe osmotische Druck, den Dexpanthenol, Urea und Natriumlaktat nach Erfahrung mancher aufzubauen scheinen.)
Ich hab aufgrund dieser Tipps Urea aus meinen Pflegeformulierungen rausgeschmissen, ebenso Konservierungsstoffe. Um weitere Risiken auszuschließen (man weiß ja nie) kommen als Emulgatoren vorerst nur Lecithine zum Einsatz. Konserviert wird mit Alkohol (12 bis 15 Prozent auf die Wasserphase).
Warum ich mich hier so über mein persönliches Problem ausbreite, hat einen bestimmten Grund: Ich finde Austausch in höchstem Maße hilfreich und wichtig! Vielleicht hat ja die eine oder der andere ein ähnliches Problem und findet die von mir gemachte Erfahrung hilfreich. Es ist meine feste Überzeugung, dass wir alle unser Wissen – egal, auf welchem Gebiet – schneller vergrößern könnten, würden wir es offensiver miteinander teilen. Leider stehen Konkurrenzdenken, mitunter auch bloß die Angst, als unwissend – “dumm” – dazustehen, einem befruchtenden Austausch viel zu oft im Wege. Umso erfreulicher sind Initiativen wie die “Rührküche”.


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