…liegt’s meist an der (falschen) Pflege. Aber wie findet man die richtige? Nachdem ich im Kampf gegen trockene Haare so ziemlich alles probiert habe, was der Markt an Haarkuren und Leave-Ins hergibt, beschloss ich in meiner Verzweiflung irgendwann, nicht nur die Haut- sondern auch die Haarpflege selbst zu fabrizieren. Klingt jetzt so einfach, war aber ein ziemlich mühsamer Weg.
Eines gleich vorweg: Bevor irgendeine Pflege – egal ob gekauft oder selbstgerührt – die Chance hat zu wirken, muss der „Kunstlack“ ab. Jahrelange Pflege mit silikonhältigen Shampoos und Pflegeprodukten können dafür sorgen, dass sich das Silikon am Haar anreichert und quasi einen Schutzfilm bildet, der nichts mehr durchlässt. Das Haar vertrocknet unter dieser Schicht, egal, was man außen an Pflege draufpappt. (Genau das ist mir passiert, die Haare waren strohtrocken, brachen sofort und nahmen praktisch keine Pflege mehr an.) Schritt Nummer Eins ist also der Umstieg auf Naturshampoos und -pflege, was die ersten paar Monate dazu führen kann, dass man schlimmer aussieht als je zuvor (ist mir leider auch passiert). Aber da muss man durch, es dauert einfach, bis die Chemieschicht rausgewaschen bzw. rausgewachsen ist.
Diese Zeit des Übergangs habe ich genutzt, um Leave-In-Rezepturen in allen möglichen Wirkstoff-Varianten zu testen. Die Herausforderungen, die ich an die Pflege stellte: Die Haare sollten ausreichend mit Fett und Feuchtigkeit versorgt sein, ohne dabei strähnig auszusehen. Sie sollten sich weiters griffig, aber nicht strohig anfühlen und schon gar nicht stumpf aussehen. Ach ja: Schön weich wollte ich die Haare natürlich auch haben, ohne dass sie deshalb platt und kraftlos am Kopf klatschten.
Mein absoluter Pflegefavorit ist schließlich eine Mixtur aus Ölen (vor allem Brokkolisamenöl), Lanolin, etwas Wachs, Birkenblätter-Hydrolat, Glycerin, Weizenprotein und Isopropylmyristat geworden. Als Emulgator fungiert momentan Montanov L, allerdings werde ich noch verschiedene Lecithine testen. Lanolin und Weizenprotein scheint den Locken in puncto „Sprungkraft“ zu helfen, diese beiden Wirkstoffe haben sich bei meinen Experimenten mittlerweile als Fixstarter herauskristallisiert. Beim Hydrolat fiel die Wahl auf die Birkenblätter, weil diese in der Volksheilkunde seit Jahrhunderten für ihre wohltuende Wirkung auf Haare und Kopfhaut bekannt sind.
Hier nun mein Lieblings-Leave-In:
Wasserphase:
87 g Wasser (ich nehme je zur Hälfte Birkenblätter-Hydrolat und stilles Mineralwasser) kurz aufkochen, eine winzige Messerspitze Sorbit darin auflösen und etwa 0,3 g Xanthan einrühren. Kurz quellen lassen.
Während die Wasserphase vor sich hin quillt, die Fettphase zubereiten:
Fettphase:
5 g Lanolin
10 g Öle (Brokkolisamen und Macadamia)
2 g Montanov L
0,5 g Carnaubawachs
0,15 g Wollwachsalkohol
1 g Sheabutter
0,3 g Kakaobutter
Alle Zutaten bis auf die Buttern auf ca. 70 Grad Celsius erhitzen, vom Herd nehmen und Shea- sowie Kakaobutter unter Rühren darin zerlassen.
Wasser- und Fettphase zusammengeben, hochtourig verrühren. Sobald die Emulsion nur noch handwarm ist, Wirkstoffe unterrühren:
1 g Isopropylmyristat (rückfettende und leichte „Conditioner“-Wirkung)
1 g Weizenprotein
6,5 g Glycerin
1 g D-Panthenol
0,7 g Honig
Ph-Wert auf ca. 5,5 einstellen. Konservieren.
Anwendung: Etwas Leave-In in den Handflächen verteilen und dann ins nasse oder auch trockene Haar kneten. Angenehm finde ich, dass man durchaus mehr erwischen kann, ohne den Eindruck „fettiger“ Haare fürchten zu müssen. Ich bin mit dieser Pflege mittlerweile hochzufrieden, möchte aber nicht verhehlen, dass auch das verwendete Shampoo eine Rolle spielt. Auch hier bedurfte es mehrerer Experimente, bis ich die Tensidauswahl so zusammen hatte, dass sie für mich passte. Momentan bin ich beim „Feintuning“ der Shampoo-Textur, sobald ich das Gefühl habe, sie weitgehend optimiert zu haben, stelle ich sie online.



kommentieren
trackback für eintrag | RSS-Feed