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Putzige kleine - sehr kleine! - Feigen, die bloß leider in meinem Garten nie reif werden, weil der Winter einfach immer schneller ist..

Die Idee Feigenblätter zu destillieren, ergab sich dadurch, dass mein Feigenbäumchen zwar das Etikett “winterhart” trägt, dies aber noch lange nichts über seine Standort-Eignung an der Alpennordseite aussagt. Und die sieht so aus, dass mein Bäumchen immer erst sehr spät im Frühjahr auszutreiben beginnt, dann irgendwann im Hochsommer kleine Feigenzwutschkerl ausbildet, die natürlich in den sonnenkurzen Tagen des  Herbstes keine Chance haben, essbare Reife zu erreichen. 

Wenn schon die Feigen bloß Zierde waren, wollte ich es eben mit den Blättern versuchen, und das hat sich als äußerst interessantes Experiment erwiesen! Schon beim Vorbereiten und Zerkleinern der Feigenbaum-Blätter fällt das herrlich feine Aroma auf. Der zieht sich dann durch den gesamten Destillationsvorgang und damit die ganze Wohnung. 

Das erste Testergebnis fiel aromatisch noch eher schwach aus, aber mittlerweile hab ich Erntezeitpunkt und Zerkleinerungsgrad einigermaßen im Griff. Noch aromatischer sind freilich Feigenblätter aus dem sonnigen Süden. Weshalb ich im Urlaub schon mal Ausschau nach Feigenbäumen halte… 

Mittlerweile bereichert Feigenblätter-Hydrolat sowohl meine Küche wie meine Kosmetik. Ursprünglich hatte ich Bedenken, weil Feigenblätter Furanocumarine enthalten, die wiederum auf die Haut photosensibilisierend wirken und zu Hautreizungen führen können. Doch dieser Cumarin-Gehalt beträgt höchstens 0,8 Prozent, im Hydrolat sind da bestenfalls noch Spuren vorhanden. Mein Selbsttest hat mich dann restlos überzeugt, ich empfinde Feigenblätter-Hydrolat als sehr “sanft” und pflegend. Es zählt mittlerweile – auch wegen seines schönen Duftes - zu meinen Lieblinghydrolaten in der Hautpflege – entweder als Wasserbasis in Cremen oder pur als Gesichtswasser. Apropos Gesichtswasser: ein Schuss Estragon-Hydrolat gibt dem Feigenaroma eine höchst interessante Note!

Ein Abendessen, das zwar sehr lange braucht, aber rasend schnell gemacht ist: Beinscheiben vom Lamm werden rund acht Stunden lang bei Niedrigtemperatur in Whisky und Feigenblätter-Hydrolat geschmort. mehr »

Im Vorjahr hab ich die Blätter meines Feigenbaumes destilliert und war vom Aroma schlichtweg überwältigt. Wenn es bloß ein bisschen intensiver gewesen wäre! Klar, dass ich beim heurigen Urlaub in Portugal nach entsprechendem Material Ausschau gehalten hab. 
Im sonnigen Süden riechen die Blätter des Feigenbaumes doch deutlich aromatischer...
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Sie sehen nicht danach aus, aber die Blätter des Feigenbaumes bringen das Innenleben ordentlich zum Schwingen!

Viel habe ich bisher über die medizinische Verwendung von Feigenblättern nicht gefunden.  Angeblich enthalten sie wertvolle Enzyme, welche sich altarabische Heilkundigen beim Prozess der Wundheilung zu Nutze machten. Heute noch soll es in einigen Ländern üblich sein, zerkaute Feigenblätter auf offene Wunden  zu legen. Eine Abkochung der Blätter wird in Südamerika bei Husten und Erkältungen eingesetzt.

In diversen Heilkräuterlexika wird vor allem auf den Cumarin- und Furanocumarin-Gehalt von Feigenblätter verwiesen (angeblich bis zu maximal 0,8 Prozent). Weitere Inhaltsstoffe sind äther. Öl, Polysaccharide (ca. 4,8 %, pektinähnliche Stoffe), Vitamin C (ca. 0,33 %), Triterpene und Gerbstoffe. Im Milchsaft (Latex) der Blätter ist die Protease Ficin enthalten.

Cumarin wirkt – ähnlich wie Rutosid – entzündungshemmend, abschwellend und durchblutungsfördernd. Zubereitungen aus cumarinhaltigen Pflanzen werden beispielsweise zur Behandlung von Venenleiden eingesetzt. Da Cumarin im Tierversuch lebertoxische und kanzerogene Eigenschaften zeigte, sollte die Einnahme cumarinhaltiger Lebensmittel wie z.B. zimthaltiger Tees nicht über einen längeren Zeitraum erfolgen. Andererseits ist die Übertragbarkeit dieser Befunde auf den Menschen durchaus strittig, einige Heilkräuterlexika verweisen sogar auf günstige Effekte bei Tumorleiden.

Übrigens: Getrocknete Feigenblätter sind ein echter Räucher-Hit! Der Raum wird erfüllt von einem wunderbar feinen Duft, auf dem die Seele regelrecht aufgleiten kann. Ich hab bereits einige Feigenblätter verteilt und hochinteressante Rückmeldungen gekriegt. Da fanden echt spannende Prozesse des “Loslassens”, auch des Öffnens und Aufbrechens statt!

Putzige kleine Feigen, die leider in meinem Garten nie reif werden, weil der Winter einfach immer schneller ist..

Putzige kleine Feigen, die leider in meinem Garten nie reif werden, weil der Winter einfach immer schneller ist..

Zwei Feigenbäume hab ich im Garten stehen, die immer viele Früchte tragen, welche aber nie reif werden. Der Winter war bisher immer schneller. Was mich im letzten Sommer auf die Idee brachte, zumindest die Blätter zu nutzen!  mehr »