phytomontana
26. Juli 2014
Von “Schnupfenprinzessinnen” und seltsamen Gebilden in Hydrolaten – Ingrid Kleindienst im Interview

Ingrid Kleindienst-John beschäftigt sich seit mehr als 30 Jahren mit der Kraft der Kräuter. Sie ist Expertin darin, pflanzliche Wirkstoffe über Bachblüten, ätherische Öle, Hydrolate oder andere naturheilkundliche Zubereitungen zu verabreichen. Die Aromatherapeutin hat mehrere Bücher verfasst, ihr jüngstes Werk befindet sich gerade in der Endredaktion. Grund genug für Phytomontana, ein wenig mit Ingrid zu plaudern. Über die Bedeutung der Aromatherapie in der Medizin, natürlich über Hydrolate, aber auch über „Vampirsprays“ und „Schnupfenprinzessinnen“…

Ingrid im Bärental

Die Aromatherapeutin ist gerade dabei, ihr drittes Buch zu veröffentlichen.

Ingrid: Es wird eine Art Nachschlagewerk sein für alle, die mit Kindern und ihren Unpässlichkeiten zu tun haben. Um die Übersicht zu erleichtern, ist die Anwendung von ätherischen Ölen, Hydrolaten und Kräutern nach Kindesalter gegliedert: Babyalter, Kindergarten, Schule. Die Tipps und Rezepturen des Buches wurden allesamt in der Praxis erprobt. Wie etwa der Roller gegen Gelsenstiche oder der Vampirspray.

phytomontana: Vampirspray?

Ingrid: Im Grunde ist es ein selbstgemachter Spray mit Lavendelduft. Der eignet sich nämlich bei entsprechender kindgerechter Erklärung ganz prächtig, um Vampire und sonstige Monster aus dem Kinderzimmer zu vertreiben. Hier inspirieren mich die „Zwerge“ in meiner Familie, genau genommen haben wir sieben Schneewittchen und einen Zwerg. Auf Wunsch meiner 5-jährigen Enkeltochter enthält das Buch auch einige Märchen. Zum Beispiel das von der „Schnupfenprinzessin“. Oder die Geschichte von dem Buben, der nicht schlafen gehen wollte. Und ein Bär mit Husten kommt natürlich auch vor.

phytomontana: Derzeit mehren sich die deutschsprachigen Bücher über die destillierten Pflanzenwässer, du hast mit „Hydrolate – Helfer aus dem Pflanzenreich“ selbst eines geschrieben. Es scheint, dass sich Hydrolate auch unter Aromatherapeuten und –therapeutinnen einen Platz erobern. Doch wird in den Aromapraxen tatsächlich verstärkt mit Hydrolaten gearbeitet? Oder greift man dort nach wie vor lieber zum ätherischen Öl?

Ingrid: Hydrolate werden zwar bereits öfter mal eingesetzt in der Aromatherapie, allerdings ist nach wie vor das ätherische Öl das Mittel der Wahl. Die Hydrolate haben aber viel mehr Potential, als man ihnen immer noch (trotz der bereits in deutscher Sprache vorhandenen Bücher) in der Therapie zugesteht.

phytomontana: Wie offen sind heutzutage Ärzte und Ärztinnen für Anwendungen der Aromatherapie? Und sind Ärztinnen da aufgeschlossener als ihre männliche Kollegen?

Ingrid: Grundsätzlich möchte ich hier die Ärzte nicht ausschließen, ich kenne nun mittlerweile doch einige, die sich für Aromatherapie begeistern lassen – immer vorausgesetzt, dass man gute Begründungen dafür geben kann, was ätherische Öle und Hydrolate eigentlich können. Entweder man bringt praktische „Beweise“ vor oder man kann’s anhand einer Studie belegen…

Ingrid mit ihren Enkelkindern Leni und Alex

Ingrid mit ihren Enkelkindern Leni und Alex

phytomontana: Du hast dich unter anderem auch mit der Einteilung von Kräutern nach den alchemistischen Elementen Erde, Feuer, Wasser und Luft befasst. In deinem Buch “Pflanzen und Elemente” ordnest du 43 Pflanzen diesen Elementen zu, streifst dabei auch die traditionelle chinesische Medizin, widmest dich aber vor allem der Signaturenlehre. Wie kam es dazu?

Ingrid: Ich finde, beide Themen sind irgendwie auch im Kontext zu sehen. Beim Hydrolate-Buch habe ich häufig auch auf altes Material zurückgegriffen, wie beispielsweise auf das Buch von Michael Puff von Schrick oder auf die Bücher von Hieronimus Bock. Und wenn man darin liest, kommt man automatisch auch mit der Signaturenlehre in Kontakt. So war es genaugenommen eine logische Schlussfolgerung, mich mit der Pflanzenwelt auch auf diese Weise zu beschäftigen.
Die Signaturenlehre begleitet mich allerdings bereits seit meiner Kindheit, als meine Tante und mein Onkel – beides Botaniker – mir die Pflanzenwelt in Form von Vergleichen nähergebracht haben. Nur als Beispiel: schau Dir mal die Blüte des Katzenpfötchens an. Sie hat doch tatsächlich die Form eines Katzenpfötchens. Es ist auch sanft, wie das Pfötchen der Katze…. und so bin ich langsam (bereits als Volksschulkind) in diese Welt der Vergleiche hineingeleitet worden. Eine faszinierende Welt, die mich dann wohl nicht mehr losgelassen hat, als ich mit der Heilkraft ätherischer Öle und Hydrolate zu beschäftigen begann, und die mich letztlich auch immer wieder mit der Weisheit der Volksheilkunde verbunden hat.

phytomontana: Alle deine Bücher enthalten eine Fülle von Rezepturen, darunter auch zahlreiche naturkosmetische. Auffällt, dass sich in deinen Rezepten für die Hautpflege keine Konservierungsstoffe finden. Nun scheiden sich gerade bei diesem Thema die Geister: Für die einen sind Konservierungsmittel in Naturkosmetik völlig inakzeptabel, andere wieder halten es für geradezu fahrlässig, eine Hautcreme nicht vor Verkeimung zu schützen. Wie hältst du es damit bei deiner selbstgemachten Hautpflege?

Ingrid: Ich stelle grundsätzlich meine Salben und Cremen OHNE Konservierungsstoffe her, da ich – vorsichtig ausgedrückt – davon genaugenommen nichts halte. Es entspricht nicht meinen Vorstellungen einer „Natur“-Kosmetik, synthetische Stoffe dafür zu verwenden. Das einzige Mittel, das ich verwende, ist eventuell Grapefruitkernextrakt (wenn‘s passt). Ich denke, wenn man keine großen Mengen herstellt (ich verkaufe ja keine Naturkosmetika und benutze die Produkte nur für mich, meine Familie und Freunde), dann sind die Produkte auch ausreichend haltbar, wenn man keine Konservierungsstoffe einsetzt. Ich weiß, dass ich damit ein wenig „aufmüpfig“ erscheine (Heike Käser hat mich dafür ja auch bereits „gerügt“). Aber ich arbeite eben so und es hat sich für mich seit Jahren bewährt. (Ich rühre meine Produkte immerhin schon seit über 30 Jahren…)

Möglicherweise zu heiß destilliert?

Da ist wohl was passiert…

phytomontana: Unliebsame Keime können unter Umständen auch in Hydrolaten zum Problem werden. Du hast du mir vor einiger Zeit von Experimenten erzählt, die du mit Hilfe deiner Schwestern – beide sind Chemikerinnen – angestellt hast. Dabei ging es darum, Hydrolate bei 38 Grad Celsius auf ihre Stabilität beziehungsweise Keimanfälligkeit zu testen. Was waren denn die Ergebnisse der Tests?

Ingrid: Die Hydrolate, die wir getestet haben, sind allesamt selbst hergestellte Produkte. Bis jetzt haben sie sich „gut gehalten“, das bedeutet, sie sind stabil geblieben und haben keinen „Schimmel“ angesetzt, waren auch nicht verkeimt. Die ältesten getesteten Hydrolate sind jetzt ca. 6 Jahre alt.

phytomontana: Wer selber destilliert, der kennt das Problem: Selten aber doch bilden sich im Hydrolat nach einiger Zeit seltsame “weiße Gespinnste”. Manchmal reicht es, das Hydrolat zu filtern und es bleibt danach jahrelang rein und klar. Ein einziges Mal ist es mir bisher passiert, dass das “Gespinnst” nicht weiß und zart blieb, sondern sich zu einem grauen und relativ kompakt anmutenden Gebilde (siehe Bild) verdichtete. Der Geruch des Hydrolats blieb übrigens unauffällig. Kannst du dazu was sagen?

Ingrid: Also da hätte ich bei Hydrolaten wie dem abgebildeten schon Bedenken. Ich könnte mich vielleicht noch mit einer zarten kleinen Schliere „anfreunden“ – das kann passieren, wenn beim Destillieren die Temperatur zu hoch „schießt“ (vielleicht auch, weil man übersehen hat, dass eine Pflanze zu viel Blütenstaub besitzt). Aber dicke Schlieren sind für mich ein Zeichen (auch wenn’s noch gut riecht), das Hydrolat lieber zum Pflanzengießen zu verwenden, als es körperlich einzusetzen.

phytomontana: Letzte Frage: Welches Hydrolat verwendest du selbst am liebsten?

Ingrid: Das der Rose. Kaum ein Hydrolat ist so vielfältig einsetzbar, gleichzeitig wird es von Kindern genauso gut vertragen wie von älteren Menschen. Leider ist es in therapeutisch nutzbarer Qualität nicht so einfach herzustellen. Man braucht dafür doch eine ordentliche Menge an Rosen. Die in meinem Garten sind da kaum ausreichend. Ganz abgesehen davon, dass ich es nicht übers Herz bringe sie abzuschneiden, solange sie ihren herrlichen Duft verströmen. Deshalb bleibt mir nichts anderes übrig, als hochqualitatives Rosenhydrolat relativ teuer zu kaufen. Es hat eben alles seinen Preis.

phytomontana: Ingrid, vielen Dank für das Gespräch.


Literatur und Links zu Ingrid Kleindienst-John:

Hydrolate – Sanfte Heilkräfte aus Pflanzenwasser
Insgesamt 89 Pflanzenwässer werden in puncto verwendeter Pflanzenteile, Wirkung, ph-Wert und Inhaltsstoffe ausgeleuchtet. Zur Rezension des Buches.
ISBN: 978-3-99025-053-2, Freya-Verlag, Preis: € 19,90

Pflanzen & Elemente. Erde, Feuer, Wasser, Luft – Pflanzenbetrachtungen
Das Buch bietet einen leicht lesbaren Einblick in die Signaturenlehre, ergänzt durch einen kleinen  Ausflug in die TCM. Die 43 enthaltenen Pflanzenportraits  behandeln unter anderem die planetarische Zuordnung, die Wirkung und die Verwendung der Pflanze.
ISBN: 978-3990250907, Freya-Verlag, Preis: € 19,90

Das neueste Buch von Ingrid Kleindienst erscheint voraussichtlich im Oktober 2014

Ein kräutermedizinisches Nachschlagwerk – auf Kinder abgestimmt

„S.O.S. Hustenzwerg – Ätherische Öle und Kräuter für Kinder von 0 bis 12“
Tabellen und genaue Aufstellungen sollen die Mittelfindung für alle gängigen Symptome erleichtern. Themenkreise wie Haut, Lunge oder Magen sind genau besprochen, es gibt viele, leicht nachzumachende Rezepte. Omas, Mamas und Papas lernen gemeinsam mit den Kindern den richtigen Umgang mit den Schätzen der Natur, mit ätherischen Ölen, Hydrolaten, Tees und vielen anderen Kräuterpräparaten, die auf die Bedürfnisse junger Familien abgestimmt sind.
Das Buch erscheint voraussichtlich im Oktober 2014 im Freya-Verlag, ISBN: 978-3-99025-159-1

www.aromaexperten.at: Ingrid Kleindienst-John und ihr „Ausbildungszentrum für Aromatologie und Blütenessenzen – Aromaexperten von Feng Shui Austria®“

www.kraeuterkraftkreis.at: Das Team besteht aus zertifizierten Kräuterpädagogen, Natur- und Landschaftsvermittlern, Geomanten und Radiästheten und will das Wissen um die Kräuter unter anderem durch Workshops, Landschaftsführungen und Vorträge weiter verbreiten.
www.fengshui-austria.com: Ingrid Kleindiensts Seite über „Wohlfühlen mit Aromawellness, Bachblütenberatung, Lebensraumberatung nach Feng Shui“

2 kommentare | kommentar schreiben
Flora keckeis | 18.6.17

Hallo hydrolatfreunde! Ist Kamille hydrolat zu schade für die seifenherstellung? Was mache ich mit Origano- pflanzenwasser? Eure Meinung darüber würde mich freuen. Liebe Grüße flora

selisa | 18.6.17

Hallo Flora, ich persönlich finde hochwertige Hydrolate generell zu schade für die Seifenherstellung. Wenn ich allerdings eines habe, mit dem ich nicht ganz zufrieden bin (zum Beispiel, weil mir das Aroma zu schwach erscheint), würde ich dieses schon dafür verwenden. Oregano-Hydrolat würde ich zum einen in der Aromaküche verwenden, zum anderen im TEH-Bereich überall dort, wo auch die Pflanze selbst ihre Wirkung entfaltet, zum Beispiel bei Beschwerden des Verdauungstraktes.
Liebe Grüße, Elisabeth

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