phytomontana
19. März 2014
Von vergessenen Curaçao-Hydrolaten und anderen Fundstücken

Bin immer wieder bin ich verblüfft, was sich im Keller alles so findet, während man doch ganz was anderes sucht. Kürzlich förderte ich doch tatsächlich ein Curaçao-Hydrolat zutage! (Was anderes auch, aber das kann sich – wer will – von meiner Katze erzählen lassen.)

Das Hydrolat weist an der Oberfläche einen zarten blauen Rand auf, also ganz die Farbe, wie man sie vom alkoholischen Gesöff kennt. Wobei das Blau des Likörs durch künstlich zugesetzte Farbe erzielt wird, genauer: E131 oder E133, wie sich die Zusätze nennen. Mein blaues Rändchen hingegen ist echt, die Tröpfelchen – wer genau hinschaut, sieht eine feine Verteilung im Hydrolat – kamen so aus der Destille.

Hydrolat mit dezentem blauen Rand

Einige blaue Tröpfchen ließen sich beim Destillieren tatsächlich blicken

Die Insel Curaçao wurde 1499 von den Spaniern entdeckt, die dort ab 1527 Orangen anzubauen versuchten (jaja, schlag nach bei Wikipedia); allerdings vertrugen die Bäume die dortigen Boden- und Wetterverhältnisse nicht, ihre Früchte waren ungenießbar. Als daraufhin die Plantagen aufgegeben wurden, verwilderten die Orangenbäume, so dass eine eigene Bitterorangen-Unterart entstand. Diese sogenannten „Curaçao-Früchte“ sind eine eigene Unterart der Pomeranze (Citrus aurantium currassuviensis). Im Laufe der Zeit fand man heraus, dass die getrockneten Schalen ätherische Öle mit einem besonders intensiven Aroma enthalten und sich bestens für die Herstellung von Spirituosen mit Orangengeschmack eignen. Angeblich kam bei den ersten Destillations-Experimenten auf Curacao eine blau gefärbte Flüssigkeit raus – vermutet wird eine eine chemische Reaktion zwischen dem Kupfer und dem Alkohol. Danach aber blieb das Destillat klar und seither muss mit Lebensmittelfarbe nachgeholfen werden.

Jetzt aber zu meinem absolut nicht-alkoholischen Destillat, nämlich dem Hydrolat. Was vielleicht potentielle NachahmerInnen interessiert: Die getrockneten Schalen sind superhart und deshalb suboptimal für die Destillation daheim geeignet! Das Aroma meines Hydrolats ist ganz nett, könnte aber für meinen Geschmack intensiver sein. Das ließe sich gewiss durch entsprechende Zerkleinerung der Schalen erreichen, was aber ziemlich leistungsfähiges Werkzeug erfordern würde, welches ich noch nicht gefunden habe. Normale Küchen-Zerkleinerer sind gänzlich ungeeignet, mit dem Gartenhäcksler hat es auch nicht wirklich geklappt…

Aber wie gesagt: Das Aroma ist soweit ganz nett. Derzeit parfümiere ich unter anderem dunkles Schockomousse damit. Vielleicht sollte ich ja öfter im Keller herumkramen, wer weiß, was ich noch alles an Hydrolat-Experimenten vergessen habe? Bei der Gelegenheit: Glauben Sie nicht alles, was meine Katze erzählt. Ich hab wegen dieser “anderen Fundstücke” echt nicht herumgegrantelt…

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