phytomontana
Paracelsus, die „Hexen“, die Obrigkeit – und Salzburg

Jetzt aber zu einem Naturdoktor, an dem man als Salzburgerin eigentlich nicht vorbeikann, nämlich Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus. In einem Reiseführer über Salzburg aus dem Jahr 1821 wird sein Grab den Besuchern quasi als DIE Sehenswürdigkeit der Stadt schlechthin ans Herz gelegt, während – nur so nebenbei erwähnt – das gleiche Büchlein über Mozart kein Wort verliert. Marketingtechnisch hat sich das mittlerweile geändert, über “Wolferl” stolpert man in der Mozartstadt praktisch an jeder Ecke, während man nach Paracelsus schon eher suchen muss.

salzburg
Um der Wahrheit genüge zu tun, muss man aber auch sagen: Viele Jahre seines Lebens hat Parcelsus in Salzburg ja nicht verbracht. Der in Einsiedeln in der Schweiz geborene – und in hier in Salzburg begrabene – Arzt wirkte im 16. Jahrhundert an zahlreichen Orten, den Großteil seines Lebens zog er als Wander- und Wundarzt, zwischendurch auch als Militärarzt quer durch ganz Europa. Längere Zeit sesshaft war er überaus selten, als niedergelassenen Arzt hielt es ihn stets nur kurz: beispielsweise 1524/25, als es ihn das erste Mal nach Salzburg verschlug, in den Jahren 1526/27 in Straßburg (Frankreich) oder etwa 1527/28 als Stadtarzt und Professor in Basel.

Paracelsus holte sich sein Wissen von den Heilkundigen des Volkes, er verdankte – wie er selbst zugab – seine wertvollsten Kenntnisse den als Hexen verschrieenen und verfolgten kräuterkundigen Frauen, dem fahrenden Volk sowie Hirten und Bauern. Einer seiner Grundsätze lautete „Das Buch der Arznei ist die Natur selbst“, ein anderer, vielleicht sein bekanntester: „Alle Dinge sind Gift und nichts ist ohne Gift. Allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist.“ Dieser Lehrsatz war übrigens zugleich seine Verteidigung in diversen Gerichtsverhandlungen, die er wegen des Vorwurfs, er würde Patienten vergiften, durchzustehen  hatte.

Obwohl Paracelsus viel mit Kräutern arbeitete und die sogenannte “Signaturenlehre” (wonach Pflanzen durch ihre Form erkennen lassen, gegen welche Leiden sie anzuwenden sind) entscheidend prägte, wäre die Bezeichnung “Kräuterdoktor” zu eng gefasst. Er befasste sich mit Astrologie, Theologie und Mystik, war Chemiker, Pharmazeut und Philosoph, experimentierte mit Mineralien und Schwermetallen.

"Hier liegt begraben Philipus Theophrastus, der berühmte Doktor der Medizin, welcher auch die schrecklichsten Wunden, Lepra, Podagra und Wassersucht und andere unheilbare scheinende Krankheiten durch seine wunderbare Kunst heilte. Und es brachte ihm auch Ehre ein, daß er sein Hab und Gut unter den Armen verteilen ließ", lautet ein Teil der Inschrift auf Paracelcus' Grabmal.

"Hier liegt begraben Philipus Theophrastus, der berühmte Doktor der Medizin, welcher auch die schrecklichsten Wunden, Lepra, Podagra und Wassersucht und andere unheilbare scheinende Krankheiten durch seine wunderbare Kunst heilte. Und es brachte ihm auch Ehre ein, daß er sein Hab und Gut unter den Armen verteilen ließ", lautet ein Teil der Inschrift auf Paracelcus' Grabmal.

Davon, Heilkräuter aus entlegenen Gebieten zu importieren, hielt Paracelsus nichts. Er plädierte dafür, Heilmittel aus der unmittelbaren Umgebung zu wählen, also sich quasi am Wegesrand zu “bedienen”. Dies begründete sich in der Vorstellung, dass das Heilmittel dort zu suchen sei, wo auch die Krankheit entstanden ist. “Ubi malum, ibi remedium” - Wo die Krankheit, da das Heilmittel – lautet einer seiner überlieferten Grundsätze.

Paracelsus war Forscher und Querdenker, als solcher hatte er es nicht einfach und war auch nicht einfach. Seine kompromisslose , ohne jeden Sinn für diplomatische Zwischentöne formulierte Kritik an der Schulmedizin, an damals üblichen Behandlungsmethoden wie dem Aderlass, brachte ihm die Gegnerschaft der ärztlichen Kollegenschaft ein.

Zum Drüberstreuen scheute Paracelsus nicht den Konflikt mit der Obrigkeit, indem er ungenehme Schriften verfasste oder sich – 1524 kaum in Salzburg angekommen – im Bauernkrieg auf die Seite der Aufständischen stellte und damit beim Salzburger Erzbischof mehr als bloß unbeliebt machte: 1525 musste er fliehen und kam erst 1541 wieder nach Salzburg zurück, wo er am 24. September an den Folgen einer Blei- oder Quecksilbervergiftung – die er sich bei seinen Experimenten selbst zugezogen haben dürfte – verarmt starb.

Paracelsus wurde damals am Sebastiansfriedhof beigesetzt und 1752 in die Kirche St. Sebastian umgebettet. Ob nun allerdings tatsächlich alle seine Gebeine dort ruhen, sei dahingestellt, schließlich wurden die sterblichen Überreste des berühmten Arztes in den vergangenen Jahrhunderten mehr als einmal ausgehoben, um untersucht, analysiert und dann anderweitig wieder verwahrt zu werden. Während des Zweiten Weltkrieges befanden sich seine Knochen in der Obhut eines Salzburger Mozartforschers (hier schließt sich unser Kreisl), der die Gebeine in einer Schuhschachtel verwahrte und bei jedem Luftangriff in den Luftschutzkeller mitnahm. So erzählt man sich das bei uns jedenfalls…