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Wermut-Hydrolat

Die Bitterstoffe des Wermut (Artemisia absinthium) wirken appetitanregend, sekretionssteigernd und magentonisierend sowie resorptions- und verdauungsfördernd.

An dieser Stelle eine wichtige Warnung: Das ätherische Öl des Wermut weist einen hohen Thujon-Gehalt auf (bis zu 70 Prozent!), kann toxisch wirken und sollte keinesfalls – schon gar nicht in der Schwangerschaft – pur angewendet werden! (In Frankreich  sind thunjonhältige Öle übrigens verschreibungspflichtig.)

Aber zurück zum Hydrolat. Ich hab den Großteil des ätherischen Öls abgesaugt und übrigens recht erfolgreich gegen eine Warze eingesetzt. Ok, ich geb zu, es war eine kleine Warze, eher ein Wärzchen, aber wurscht, jetzt ist sie weg. Im Hydrolat selber ist natürlich auch noch etwas Thujon drin, aber wie schon Paracelsus sagte, macht die Dosis das Gift, und es wird wohl niemand auf die Idee kommen, sich das Hydrolat pur reinzuschütten, dazu schmeckt es ohnehin viel zu bitter.

Womit wir auch schon bei der Verwendung wären: Ich persönlich setze das Hydrolat gerne zum Abschmecken von Saucen ein. Dabei geht es mir weniger darum, den Wermut-Geschmack voll reinzubringen, sondern eher darum, die Sauce geschmacklich perfekt abzurunden. Und dazu gehört eine gewisse Bitterkomponente ebenso dazu wie die Geschmacksrichtungen süß, sauer, scharf und salzig. Verschiedene Spitzenköche kochen zum Beispiel in der Wild-Sauce ein kleines Stück Wermutkraut mit. Wer’s schon mal probiert hat, weiß, dass man beim  Dosieren höllisch aufpassen muss, in der Pflanze selbst sind die Bitterstoffe nämlich derart gut vertreten, dass einem bei falscher Dosierung so ein Rehgulasch ganz schön massiv in die Bitterabteilung abkippen kann! Beim Hydrolat besteht diese Gefahr nicht, wegen ihrer Molekülgröße werden nur wenige Bitterstoffe beim Destillieren mitgerissen.

Ebenfalls gut gelungen ist die Herstellung von Kräuterwein (Aperitif oder Digestif). Anstatt das getrocknete oder frische Kraut einen halben Tag im Wein ziehen zu lassen, misch ich ein, zwei Esslöffel Wermut-Hydrolat dazu.

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3 kommentare |
erwin legenstein | 20.6.10

Hallo Elisabeth,
ich finde Deine Webseite sehr interessant und gelungen.
Meine Frage:
Woher hast Du das spezielle Wissen über Hydrolate und würdest Du bereit sein, es in Form von Workshops weiter zu geben?

MfG Erwin

admin | 23.6.10

Hallo Erwin,
gar so speziell ist mein Wissen sicher nicht. Leider gibt es sehr wenig Literatur zum Thema Hydrolate, zumindest in deutscher Sprache. Auf englisch sieht’s etwas besser aus. Ich profitiere vor allem durchs Experimentieren und Ausprobieren und natürlich durch den Erfahrungsaustausch mit anderen “Destillier-Begeisterten”.
So nebenbei bin ich außerdem ständig auf der Suche nach ChemikerInnen oder PharmazeutInnen, die von der wissenschaftlichen Seite was beisteuern könnten oder sogar für Analysen zur Verfügung stünden.
Zu deiner Frage bezüglich Workshops: Grundsätzlich gerne.

erwin legenstein | 2.7.10

Danke für die Antwort.
Werde mich per Mail an Dich wenden.

LG Erwin

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